PSYCHOSOMATISCHE MEDIZIN UND PSYCHOTHERAPIE KLINISCHE HYPNOSE
PSYCHOSOMATISCHE MEDIZIN UND PSYCHOTHERAPIEKLINISCHE HYPNOSE  

Viktor Emil Frankl (* 26.03.1905; † 02.09.1997)

 

(9) Er ist neun Jahre alt, als der Erste Weltkrieg ausbricht. Hungersnot und eine hohe Jugendarbeitslosigkeit lassen viele Menschen verzweifeln.

(13) Als er 13 Jahre alt ist, doziert sein Biologielehrer und macht eine Bemerkung, die den Zynismus jener Zeiten wiederspiegelt: "Letzten Endes ist das Leben nichts anderes als ein Verbrennungsprozess, ein Oxidationsvorgang." Ohne wie üblich den Finger zu heben und sich zu Wort zu melden, springt der kleine Viktor auf und stellte die Frage: "Ja, was hat denn das ganze Leben dann für einen Sinn?". Sein Lehrer bleibt ihm die Antwort schuldig.

(16) Mit 16 Jahren hält er seinen ersten Vortrag über den Sinn des Lebens.

(17) 17-jährig beginnt Frankl einen Schriftverkehr mit Sigmund Freud, dem Begründer der Psychoanalyse. Seinen Aufsatz mit dem Titel "Zur mimischen Bejahung und Verneinung" leitet Freud an die  Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse zur Veröffentlichung weiter.

(23) Als Medizinstudent organisiert er ab 1928 in Wien Beratungsstellen für arbeitslose Jugendliche mit einer Sonderaktion 1931 zur Zeugnisverteilung. Das Ergebnis: erstmals kein Schülerselbstmord in Wien seit Jahren. Er sucht Antworten auf Lebensfragen bei den Wissenschaften seiner Zeit (neben S. Freud auch A. Adler), um schließlich die 3. Wiener Schule der Psychotherapie, die Logotherapie als Sinn-Lehre, zu entwickeln.

(25) Medizinische Dissertation.

(28) 1933 bis 1937 leitet er als  Oberarzt den "Selbstmörderinnenpavillon" am Psychiatrischen Krankenhaus Wien. Er bertreut dort jährlich bis zu 3000 selbstmordgefährdete Frauen.

(35) 1940 nimmt er die Chance nicht wahr, mit einem bereitliegenden Visum in die USA zu fliehen, um seine alten jüdischen Eltern nicht im Stich zu lassen.

(37) 1942 zwingen die Nazis seine Frau und ihn zur Abtreibung des gemeinsamen Kindes. Er wird noch im Herbst mit seiner Frau Tilly und seinen Eltern ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Sein Abzeichen als Bergführer kann er noch nach Auschwitz retten. Hier muss er es mitsamt dem Ehering und seinem Buchmanuskript der SS ausliefern.

(38) Er muss erleben, wie sein Vater 1943 in Theresienstadt an Entkräftung stirbt. Seine Mutter muss in Ausschwitz sofort, sein Bruder wird noch im selben Jahr in die Gaskammern gehen. Seine Frau Tilly (24) stirbt im KZ Bergen-Belsen.

(39) Frankl wird am 19.10.1944 im Viehwaggon von Theresienstadt zunächst nach Auschwitz, dann nach Kaufering III und am 05.03.1945 nach Türkheim gebracht, einem Außenlager des KZ Dachau. 

(40) 1945 erkrankt er an Fleckfieber und hält sich nachts wach, indem er sich bemüht, sein verlorengegangenes Buch "Ärztliche Seelsorge" auf kleinen Zetteln stenographisch zu rekonstruieren.

(41) Er wird am 27.04.1945 von der US-Armee befreit. Auf dem Weg in seine Heimat nach Wien erfährt er innerhalb von wenigen Tagen vom Tod all seiner Angehörigen und Freunde. Seine Verzweiflung darüber überwindet er, indem es ihm gelingt, sich zu dem Gedanken durchzuringen: "Ich weiß nicht, welche Aufgabe noch auf mich wartet!".

(41) Von 1946 bis 1970 hat er die Leitung der Neurologie der Wiener Poliklinik inne und erhält viele Professuren, z. B. an den Universitäten Harvard, Stanford, Dallas, San Diego, Pittsburg etc.  - zuletzt 29 Ehrendoktorate. Ihm wird später als Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften die Auszeichnung der Polnischen Akademie der Wissenschaften für Verdienste um die Menschheit, die Medicus Magnus-Medaille und der "Internationale Goldene Stern" verliehen. Er erhält auch das Große Verdienstkreuz mit Stern der BRD.

Als KZ-Überlebender dokumentiert er seinen persönlichen Weg mit dem Buch "...trotzdem Ja zum Leben sagen", das millionenmal weltweit gelesen wird (und jetzt verfilmt werden soll).

(42) Philosophische Dissertation mit dem Titel "Der unbewußte Gott".

Im gleichen Jahr heiratet Frankl in 2. Ehe Eleonore Katharina Schwindt, die über 50 Jahre sowohl seine Lebensgefährtin, als auch wissenschaftliche Stütze sein wird. Zusammen haben sie eine Tochter, Gabriele.

Nach der Erfahrung des Holocaust lebt Frankl als Jude den Glauben, den ihm seine Eltern vermittelt haben. Jeden Morgen spricht er sein "Höre Israel", immer bekleidet mit dem traditionellen Gebetsriemen. In V. E. Frankl lebt die Überzeugung, dass der Mensch im Leben und in der Stimme seines Gewissens auf den Ruf eines „Über-Sinns" trifft, den er mit M. Buber als göttliches „Ur-Du" versteht.

Er schreibt 32 Bücher, von denen das Werk "Man´s search for meaning" von der amerikanischen Library of Congress als eines der 10 einflussreichsten Bücher ausgezeichnet wird. Von den amerikanischen Hochschulen wird es 4 mal als "Buch des Jahres" gewählt.

"Nimm dir ein Ziel vor, gehe darauf zu, erreiche es und du wirst ein anderer Mensch".

Frankl, der sich mit dem Sinn des Lebens gerade in schwierigen, ja scheinbar aussichtslosen Situationen beschäftigt, spricht immer wieder von der großen Bedeutung der Herausforderung. Er erteilt jedoch dem reinen Wettkampf, dem bloßen Höher, Schneller und Gewagter eine klare Absage. Als Kletterer will er es nicht mit anderen aufnehmen:

"Der Alpinist konkurriert und rivalisiert nur mit einem, und das ist er selbst."

 

(67) Frankl hat Angst vor dem Fliegen und vor dem Klettern. Mit 67 Jahren macht er den Flugschein.

(74) im Alter von 74 Jahren erwirbt Frankl den 3. Schwierigkeitsgrad beim Klettern.

(80) Erst mit 80 hört mit dem Klettern im 3. Grad auf. 3 Klettersteige werden nach V.E. Frankl benannt.

(81) Rede vom 10.03.1988 in Wien in Memoriam 1938 (Text): Frankl hält anlässlich des Gedenktages zum 50. Jahrestag des Hitler-Einmarsches am Wiener Rathausplatz eine vielbeachtete Rede. Hier spricht er sich gegen die Kollektivschuld Deutschlands aus.

(91) Am 21. Oktober 1996 hält Frankl die letzte Universitätsvorlesung am AKH Wien. Im gleichen Jahr feiert er mit seiner 2. Frau Elly die Goldene Hochzeit.

(92) Im Alter von 92 Jahren stirbt V. E. Frankl am 02.09.1997 in Wien. Er ist am Wiener Zentralfriedhof in der alten israelitischen Abteilung Tor 1 begraben. Der Psychiater Viktor E. Frankl hat mit der "Logotherapie" ein herausragendes Lebenswerk hinterlassen.

Frankl konzipierte die Logotherapie als eigenständige Therapieform. Besonders dort, wo klinische Störungen auf Wertkonflikten oder auch Sinnverlust beruhen oder diese eine existentielle Krise hervorrufen, kann die Logotherapie ein Instrument anbieten, um auch die existentielle Dimension des Problems zu behandeln.

 

Die humanistische Logotherapie stärkt das Bestreben und Vermögen, die eigene geistige und emotionale Freiheit zu entwickeln, um in Verantwortung handeln zu können - gegenüber sich selber und der Umwelt.

 

Wesentliche Therapieelemente der Logotherapie sind in andere Therapien eingeflossen:

Paradoxe Intention, Dereflexion, Einstellungsmodulation, Logodrama, existenzanalytische Traumdeutung, sokratischer Dialog.

 

Zwei heute vor allem von der Verhaltenstherapie verwendete Techniken gehen auf Frankl zurück:

  • Paradoxe Intention: der Patient stellt sich genau das ungeliebte Ereignis vor und erstrebt das gefürchtete Ziel an  - mit einer großen Portion Ermutigung und Humor, statt Flucht und Vermeidung.
  • Dereflexion: der Patient lenkt sich sinnvoll ab (z.B. von fruchtlosem Grübeln), wendet sich wieder einer Aufgabe oder einem Menschen zu - und befreit sich so vom Kreisen um das eigene Ich.
     

Kleine Info und Übersicht

Anerkennung

 

Frankl hat sein Werk überwiegend Anwendungsbereichen gewidmet mit psychotherapeutischem Schwerpunkt (75% der wissenschaftlichen Beiträge in den Fachzeitschriften nach 1955).

 

Die Logotherapie und Existenzanalyse ist als wissenschaftlich fundiertes Therapieverfahren von zahlreichen internationalen Therapieverbänden anerkannt worden:

  • American Medical Society (AMS)
  • American Psychiatric Association and auch die American Psychological Association (APA)
  • in Österreich
  • und auch der Schweiz

In Deutschland harren noch so manche Werte auf ihre Entdeckung ...

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© Dr. Günther Bogner

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